Eine der häufigsten Entscheidungen vor Ort lautet: Schweißen wir diesen Riss zu? Die Antwort hängt vom Bauteil, dem Werkstoff und der Ursache des Risses ab. Eine an der falschen Stelle gesetzte Schweißnaht löst das Problem nicht nur nicht, sondern kann den Schaden unsichtbar vergrößern.
Der sichere Reparaturbereich
Schäden an nicht tragenden Bereichen — Trittstufen, Kotflügelhalterungen, untergeordnete Halterungen — lassen sich mit geeignetem Verfahren sicher reparieren. Bei tragenden Hauptelementen wie Chassisträgern gelten hingegen andere Regeln: hochfeste Stähle reagieren empfindlich auf Wärmeeintrag; unkontrolliertes Schweißen senkt die Festigkeit des Materials um den Riss herum und trägt den Schaden in den Nachbarbereich weiter. Reparaturen an diesen Bereichen müssen gemäß dem Reparaturverfahren des Herstellers erfolgen, mit korrekter Fugenvorbereitung, geeignetem Zusatzwerkstoff und, falls nötig, einer Verstärkungsplatte.
Riskante Situationen
- Riss unbekannter Ursache: Wird ein Ermüdungsriss zugeschweißt, kehrt er an derselben oder unmittelbar benachbarter Stelle zurück
- Tankaufbauten: Schweißen an einem Tank, der brennbares Produkt transportiert hat, ohne vorherige Entgasung bedeutet Explosionsgefahr; diese Arbeit darf nur in zugelassenen Betrieben erfolgen
- Achs- und Bremsbereich: Schweißen am Achskörper darf ohne Herstellerfreigabe niemals durchgeführt werden
- Unzertifizierte Arbeit: Reparaturen an tragender Struktur erfordern einen zertifizierten, mit dem Verfahren vertrauten Schweißer
Die Regel ist einfach: Ohne Klärung der Rissursache wird keine Reparatur geplant, an tragender Struktur wird ohne Herstellerverfahren nicht geschweißt. In jedem Zweifelsfall den Hersteller zu konsultieren ist wertvoller als die schnellste Lösung — denn eine einmal richtig ausgeführte Reparatur ist immer günstiger als eine sich wiederholende.