In Platooning-Diskussionen wird am häufigsten gefragt: Wie nah sollten sich die Fahrzeuge kommen? Aerodynamisch scheint die Antwort einfach: Je kürzer der Abstand, desto stärker der Nachlauf, in dem das nachfolgende Fahrzeug fährt, und desto größer der Widerstandsgewinn. In der realen Operation ist die Gleichung jedoch weitaus vielschichtiger.
Die zwei Seiten des Abstands
Bei sehr kurzen Abständen sinkt die Motorkühlluft des nachfolgenden Fahrzeugs, das Sichtfeld der Sensoren verengt sich, und die Sicherheitsmarge in Bremsszenarien wird dünner. Mit zunehmendem Abstand gehen diese Risiken zurück; allerdings wird das Einscheren anderer Fahrzeuge (Cut-in) leichter, und jede Auflösung setzt den Gewinn des Konvois bis zur Neubildung auf null. Deshalb ist das Ziel in der Praxis keine einzelne Idealzahl, sondern ein dynamisches Abstandsband, das je nach Strecke, Verkehr und Witterung gesteuert wird.
Weitere Einflussgrößen auf den Gewinn
- Fahrgeschwindigkeit: Da der Luftwiderstand quadratisch mit der Geschwindigkeit wächst, ist der Gewinn bei hoher Geschwindigkeit bedeutsam
- Konvoilänge: Die mittleren Fahrzeuge profitieren am meisten vom beidseitigen Effekt
- Fahrzeuggeometrie: Kombinationen aus Kofferaufbau, Tanker und Lowbed erzeugen unterschiedliche Nachlaufprofile
- Seitenwind: Verschiebt die Nachlaufzone zur Seite und schmälert den Gewinn
Die ehrliche Zusammenfassung lautet: Der Platooning-Gewinn ist real und messbar; eine Katalogzahl gibt es jedoch nicht. Die Lehre, die die Aerodynamik-Fachliteratur für Fahrzeugausrüstung erteilt, gilt auch hier: Die Entscheidung muss auf Daten beruhen, die unter Bedingungen erhoben wurden, die der eigenen Route und dem eigenen Geschwindigkeitsprofil ähneln.
Quellen
- Van Raemdonck, G. M. R. & Urila, I. (2019). A Study in Options to Improve Aerodynamic Profile of Heavy-Duty Vehicles in Europe. Sustainability, 11(19), 5519. DOI: 10.3390/su11195519