Weil die europäischen Straßenverkehrsvorschriften die Gesamtfahrzeuglänge begrenzen, setzten die Hersteller das Fahrerhaus über den Motor, um das Ladevolumen zu erhalten: So entstand das Frontlenker-Design (Cab-over). Auf dem amerikanischen Markt ist die Längenbegrenzung dagegen über den Trailer definiert, weshalb sich die Zugmaschinen dort zur Langhauber-Form (conventional) entwickelten.
Zwei Philosophien aus aerodynamischer Sicht
Das Haubenfahrzeug bietet eine natürliche Form, die die Strömung stufenweise führt; Motorhaube und Kotflügel wirken als Übergangsflächen. Der Frontlenker erzeugt mit seiner steilen Front einen höheren Druckwiderstand und kompensiert diesen Verlust durch Dachspoiler, Seitenklappen und die aggressive Verkleinerung des Spalts zwischen Kabine und Trailer. In der Praxis kann eine gut abgestimmte Frontlenker-Kombination als Gesamtpaket mit ihrem langnasigen Konkurrenten mithalten.
Die neue Richtung der Regulierung
Aktualisierungen im europäischen Regelwerk erlauben verlängerte Kabinenformen für Aerodynamik und Sicherheit und nähern die beiden Welten einander an; abgerundete Fronten und strömungsgerechte Nasendesigns sind nun auch auf europäischen Straßen möglich. Auf der Trailerseite ändert sich die Lektion nicht: Unabhängig von der Kabine bleiben die Abstimmung von Zugmaschine und Trailer sowie das Spaltmanagement die bestimmenden Faktoren des Gesamtwiderstands.
Quellen
- Van Raemdonck, G. M. R. & Urila, I. (2019). A Study in Options to Improve Aerodynamic Profile of Heavy-Duty Vehicles in Europe. Sustainability, 11(19), 5519. DOI: 10.3390/su11195519